Einer der Höhepunkte des Trampingkalenders der Südinsel ist mit Sicherheit der TWALK in Christchurch. TWALK oder auch Time-Walk wird vom Tramping Club der Canterbury University veranstaltet und ist ein 24 Stunden Orientierungsrennen. Der Begriff „Rennen“ mag an dieser vielleicht etwas irreführend sein, weil er beim Leser die Vorstellung eines Wettbewerbs implizieren werden könnte ;-) In Wirklichkeit ist TWALK aber einfach nur ein Riesenspaß, bei dem verkleidete Gruppen von Trampern planlos mehr oder weniger ehrgeizig (jedes Team wie es will) für 24 Stunden durch die Wildnis stampfen und eine überdimensionale Schnitzeljagd veranstalten und das ganze dann als Wettbewerb deklarieren.
Der Otago University Tramping Club, bei dem ich Mitglied bin, hat eine große Tradition dieses Rennen zu gewinnen oder zumindest durch Betrug disqualifiziert zu werden. Also dachten Rori (Kanada), Gordon (Weimar) und Ich, dass wir uns diese Chance auf unendlichen Ruhm und Ehre nicht entgehen lassen. Kurz nach diesem glorreichen Entschluß stand unser Team dann aber auch schon fast wieder vor dem Aus, als wir uns stundenlang auf keinen Teamnamen oder ein Kostüm einigen konnten. Inspiriert von einem kanadischen Kultfilm (den weder Gordon noch ich kannten), hießen wir dann zu guter letzt: FUBAR („Fucked Up Beyond All Recognition“). Unser Kostüm bestand aus zu kleinen Eishockey Trikots, zu engen Jogging-Hosen (beides im Secondhandshop erhältlich) und einer ansehnlichen Menge Dosenbier. Leider haben wir die von Rori dringend geforderten Eishockeyschläger nicht bekommen (wozu wir sie auch immer beim Trampen benutzt hätten). Das wir damit laut Rori trotzdem den Film gut darstellen ist vermutlich auch schon alles was man über Filminhalt wissen muß. Na dann - Kanadische Proleten!
Das zweite Mal wäre unser Team dann beinahe gescheitert als wir versucht haben mit meinem Van nach Christchurch zu fahren. Wie, warum, was und überhaupt da passiert ist erklär jetzt nicht weiter. Lest es einfach HIER nach – ist so schon nervig genug.
Die Nacht haben wir bei Philipp’s Eltern verbracht um uns dann mit den anderen knapp 400 Verrückten gegen 9 Uhr auf dem Campus der Canterburry University zu treffen. Wie ausgeflippt die anderen Teams wirklich waren ist schwer in Wort zu fassen , und daher schlage ich vor, ihr schaut euch einfach die Bilder an. Besonders auffällig waren die „Flintstones“, die für ihr Fred Feuerstein-Dress sogar durch ein Feuerstein Mobil ergänzt hatten, das sie auch mit sich rumgeschleppt haben. Cool waren auch die Schlümpfe (zu Englisch auch „Smurfs“, was ich bis dahin nicht wußte), die Indianer, ABBA und natürlich das Team Bravefart (nein kein Schreibfehler) vom Otago University Tramping Club. Da fielen wir uns unseren zu kleinen Trikots etc. kaum auf. Von Christchurch wurden alle Teams innerhalb einer knappe Stunde Busfahrt zu einem mysteriösen Startort transportiert. Dort erhielten alle Teams ihre Karten und die „Clues“ für die erste Etappe. Auf der topographischen Karte im Maßstab 1:50000 waren sehr genaue 15 Zielpunkte eingetragen und bei den „Clues“ handelt es sich um mehr oder weniger hilfreichen Hinweisen, die helfen sollten das jeweiligen Schlüsselwort (auf einem kleinen blauen Zettel) zu finden wenn man erst mal den richtigen Ort gefunden hat.
Am Anfang war das ganze Feld natürlich noch super nah zusammen und es war mehr oder weniger einfach zu sehen wenn man am Zielpunkt ist. Den eigentlichen Hinweis dann zu finden war aber schon spätestens nach dem 4. Wegpunkt recht schwierig, da sich das Feld schon gut auseinander gezogen hatte, und diese Zettel wirklich verdammt klein und unauffällig angebracht waren. Mal als Beispiel: Zielpunkt vier war eine Ecke an einer Steilküste. Als auffällige Landmarken gabs lediglich eine paar Bäume – und nun der Hinweis lautete: „V^3“… Nein? Das hilft euch nicht? Also gut, der Zettel ist im 5. Baum von der Küste aus gesehen am 3. Ast besfestigt! Vollkommen logisch, oder?
Die Taktik, wenn man denn dann (zufällig) einen Hinweis gefunden hatte hieß: Nur aus den Augenwinkeln hinschielen, weitergehen, den Team-Mitgliedern unfällig zu verstehen geben, dass man ihn gefunden hat und sich schnell aus dem Staub machen um den anderen Teams bloß keine Hilfe zu geben! Hört sich vielleicht sehr ernsthaft an, war es aber nicht. Auf dieses Art und Weise zog sich das Rennen also auseinander, wurden Allianzen geschmiedet und wieder gebrochen und nebenbei gute 18 Kilometer in einer super schönen Landschaft zurückgelegt. Wir haben dafür ca. 7 Stunden gebraucht, wobei wir tatsächlich nach allen Hinweisen gesucht und auch 13 von 15 gefunden haben. Wie es das Flintstone Team geschafft hat die ganze erste Etappe durchzurennen (ca. 5 Stunden), alle Hinweise zu finden und dabei auch noch ihre dämliche Karre zu schleppen ist mir immer noch schleierhaft.
Der Endpunkt der ersten Etappe war ein unfunktionierter Schaftstall. Dorthin waren tagsüber unsere Rucksäcke gebracht worden und man konnte sich ausruhen und jede Menge Essen bekommen. Außerdem lagen hier die Karten für die nächsten Etappen aus von denen man sich die Zielpunkte in die eigene Karte kopieren mußte. [Anmerkung: jede weitere Etappe geht über weitere 20 Kilometer]. Ob, wann, wie lange und zu welcher Etappe ein Team nochmal rausgeht, bleibt vollkommen den Teams überlassen. Wir sind um 21 Uhr nochmal raus in die Nacht um festzustellen, dass die tagsüber schon sehr schwierige Zettelsuche im Dunkeln fast unmöglich ist. Wir haben uns noch für ca. 4 Stunden an ein paar Hinweisen versucht (und auch 2 gefunden) und sind dann zum Haus zurück. Dort haben wir dann das 24 Stunden Trampen eingestellt und sind zum Freibier übergegangen um meinen dämlichen Van-Verlust zu ertränken.
Ein Teil der Teams hat tatsächlich die 24 Stunden voll durchgezogen und auch recht erfolgreich die Hinweise bei Nacht gefunden, aber wir hatten auch so unseren Spaß und unser geflügeltes Wort des Wochenendes ist folgendes: „Nächstes Jahr machen wir das anders…“ Um 11 Uhr Mittags am Sonntag wurden die 24 Stunden mit einem riesen Barbeque vollendet und die Flintstones, die 3 Etappen durchgezogen hatten und fast alle Schlüsselwörter (50! wir hätten nach einer Etappe plus ein bißchen gerade mal 15) gefunden hatten, bekamen den Pokal. Wir haben den 56. Platz (von 68 - nicht schlecht für drei nicht sehr ernsthafte Internationals, oder?) belegt. Aus irgendwelchen Gründen wurde der Kostümpreis auch nicht an uns vergeben!
Ich muß sagen dieses Orientierungsrennen, war richtig witzig! Iich hab mal wieder ne Menge zu Thema Kartenlesen dazugelernt und auch einen ganz neuen Teil der neuseeländischen Natur gesehen. Das schier grenzenlose und doch sehr wilde Hügelland der Schaf-Farmer. So unglaublich es klingt, aber das ganze Spiel-Gebiet, das sich über knappe 30 Kilometer im Radius erstreckt gehört zwei Farmern!
Achja auf dem Rückweg hab ich meine ersten Südlichter (Aurora Australis) gesehen... aufgrund des fehlenden Stativs sind die Bilder etwas unscharf, aber ein bißchen grün läßt sich erähnen.
--> Viel Spaß mit den Bildern